Blogbeiträge

Kapitel  1

Hallo,

Nachdem ich durch eine Krümmung im Raum-Zeit Kontinuum bis jetzt nicht dazu kam, einen Blog über mein jetziges Leben zu schreiben, habe ich die Blockade nun überwunden und werde euch in den folgenden Versen einige Lebensumstände schildern.

Nach anfänglichem Suchen arbeite ich nicht wie vorgesehen in einer Kindertagesstätte oder auf einer Farm, sondern begebe mich jeden Tag in ein kleines Dorf außerhalb von Timisoara, wo ich mit behinderten Kindern und Erwachsenen (ich werde ab jetzt aus Gründen der Vereinfachung immer nur „Kinder“ schreiben) aus der Region arbeite.

Jeden Morgen geht es (mit fragwürdiger Durchschnittsgeschwindigkeit) mit dem Auto von Timisoara Richtung Carani, eines der vielen kleinen Dörfer des platten und landwirtschaftlich geprägten Bezirks Timis, der sich als sehr flach erweist (es ist wirklich sehr flach).

WhatsApp Image 2018-10-15 at 17.39.32

 

Oft wird der eine oder andere Besucher der Einrichtung aufgegabelt und mitgenommen. Vor Ort, in der Tagesstätte „Sfanta Maria“, male, rechne oder schreibe ich mit den Kindern in einem morgendlichen Programm. Es kommt immer darauf an, wer gerade da ist, denn es ist nicht möglich, dass jeden Tag alle Kinder kommen.

WhatsApp Image 2018-09-15 at 12.48.53

Carani ist nämlich in Rumänien eher eine Ausnahme. Die Regierung setzt sich, aufgrund der aktuellen politischen Lage, wenig bis gar nicht für sozial benachteiligte Personen ein. Somit bleibt es an einzelnen Initiativen wie Carani hängen, sich um diese zu kümmern. Zudem wird die Arbeit durch ein (auch für rumänische Verhältnisse) geringes Gehalt entlohnt, was es für viele Leute nicht einfach macht, sich zu engagieren. Folglich ist der Mitarbeiterstab überschaubar und dadurch auch die Anzahl der zu betreuenden Kinder.

Jetzt aber wieder zurück zu meiner Arbeit. Nach dem zuvor beschriebenen Programm, werden zwei Stunden später einige Kinder nach Hause gebracht und die Anderen nehmen am täglichen Sportprogramm teil. Die Ausreden der Kinder reichen an dieser Stelle von einem einfachen „ich kann nicht“ bis zu einem „ich habe Bauchschmerzen“, welche aber erstaunlich schnell wieder verschwinden können. Meine Aufgabe ist es lediglich die Kinder daran zu erinnern, dass sie Sport machen sollten.

Am Mittag wird sich dann mit Freude zum Essen begeben. Hier ist es wichtig, einigen wenigen Kindern mehrmals in Erinnerung zu rufen, dass sie jetzt essen können.

So plappert A. Unaufhörlich, ohne dabei zu essen und G. wartet darauf, ans essen erinnert zu werden, denn obwohl sie sich eigentlich allen Tätigkeiten bewusst ist, rührt sie keinen Finger ohne eine Aufforderung.

Nach dem Essen bedanken sich die Kinder bei unserer sehr liebenswürdigen und coolen Köchin und legen sich schlafen. Oft setze ich mich zu ihnen und versuche rumänisch zu lernen, was aber immer darin endet, dass ich mich den vorherrschenden Verhältnissen anpasse.

Wieder wach spielen wir, gehen in den Garten oder tanzen.

Zurück nach hause geht es am späten Nachmittag, wobei ich trotz der sehr einfachen Tätigkeiten erstaunlich müde geworden bin. Vielleicht sollte ich keinen Mittagsschlaf mehr machen.

Samuel out.

Fotos zu den aktuellen Geschehnissen finden sie unter dem Reiter „Fotos “ .

Advertisements

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑